Klarinetten Raritaeten
Musik für Klarinette(n) und Klavier
17. April 2027 | 19:45
Trio Raritae
Elisabeth Adam, Klarinette
Florian Mühlberger, Klarinette
Daniela Damianova, Klavier
Programm
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Konzertstück Nr. 1 für Klarinette, Bassethorn und Klavier
John Ireland (1879–1962)
Fantasy Sonata für Klarinette und Klavier
Francis Poulenc (1899–1963)
Sonate für zwei Klarinetten
Michelle Mangani (*1966)
Pagina d'album ("Albumblatt)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Konzertstück Nr. 2 für Klarinette, Bassethorn und Klavier
Franz Danzi (1763–1826)
Konzertstück Nr. 2 in g-Moll
Amilcare Ponchielli (1834–1886)
Il Convegno („Die Zusammenkunft“) für zwei Klarinetten und Klavier, op. 76
... sowie Werke für Klavier solo
"Die Schlacht bei Prag: Ein großes Duett für Dampfnudel oder Rahmstrudel."
Dieser humoristische Untertitel findet sich auf dem Manuskript des 1. Konzertstücks für Klarinette und Bassetthorn op. 113 von Felix Mendelssohn Bartholdy, und der Hintergrund ist tatsächlich ein kulinarischer: 1832 spendierten der befreundete Klarinettist Heinrich Joseph Baermann und dessen Sohn Carl dem jungen Mendelssohn die genannte Mahlzeit, woraufhin sich der 22-jährige Komponist mit dem genannten Werk bei Vater und Sohn Baermann revanchierte. Der unerwartete Erfolg des Werks bei seiner Uraufführung führte schließlich zu einer Neuauflage dieses in der Musikgeschichte wohl einzigartigen Deals: Bereits wenige Tage später entstand auf diese Weise Mendelssohns 2. Konzertstück op. 114.
Dies ist nur eine der vielen musikalischen Geschichten, die die Klarinette in vergangenen Jahrhunderten hervorgebracht hat. Sie gehört heute zu den beliebtesten Soloinstrumenten – und doch verbirgt ihre Literatur eine erstaunliche Fülle an Werken, die nur selten auf den Konzertpodien zu hören sind. Hierzu zählt etwa das Konzertstück des Mozart-Zeitgenossen Franz Danzi (1763–1826), der zu den Wegbereitern der romantischen Klarinettenliteratur zählt und dem Instrument bereits um 1800 eine bemerkenswerte Ausdrucksvielfalt verlieh. Zu diesen klassischen und romantischen Tönen gesellen sich 150 Jahre später wiederum ganz neue Klangwelten: Die poetisch-freie Fantasy Sonata von John Ireland setzt die Klarinette als lyrische "Solistin" über schwebenden Harmonien in Szene, während der französische Komponist Francis Poulencs mit seiner Sonate für zwei Klarinetten ein geistreiches und rhythmisch raffiniertes Werk schuf, das sich von der "großen Linie" früherer Klarinettenwerke beinahe gänzlich abwendet. Zeitlich dazwischen liegt Il Convegno des italienischen Opernkomponisten Amilcare Ponchielli: die charmante musikalische "Zusammenkunft", so die deutsche Übersetzung, bringt die zwei Klarinetten als eigenständige Charaktere in einen musikalischen Dialog. Die genaue Handlung, die dem Komponisten hier vorschwebte, ist nicht bekannt, es dürften aber zwei Liebende sein, die sich hier finden, mal herzen, mal zanken, mal um die Wette eifern.
Es erwartet Sie also ein Abend voller klanglicher Entdeckungen, mit bekannten Namen sowie zu Unrecht selten gespielter Musik.
Das Trio Raritae
wurde im Jahr 2025 von Elisabeth Adam, Florian Mühlberger und Daniela Damianova gegründet, um – wie es der elegante Name schon verrät – selten gespielte Schätze der Klarinettenliteratur auf die Bühne zu bringen. Durch das gemeinsame Orchesterspiel von Elisabeth Adam und Florian Mühlberger im Orchester der Volksoper Wien sind die beiden in ihren Duetten von der ersten bis zur letzten Note aufeinander abgestimmt; zugleich können sie ihren Klang durch weitere Instrumente der Klarinettenfamilie (fast) nach Belieben formen und schattieren. Gemeinsam mit der farbenreichen Gestaltung der Pianistin Daniela Damianova, die mal als Solistin, mal als Kammermusikpartnerin, mal als ganzes Orchester auftritt, ergibt sich ein symbiotisches Trio, das allen Beteiligten Raum gibt, sich künstlerisch in Szene zu setzen. Gemeinsam erkunden das Trio ständig das Repertoire, um den üblichen Kanon der Klarinettenwelt Stück für Stück zu erweitern.

© Damian Posse
Florian Mühlberger, Klarinette
Florian Mühlberger wurde 1982 in St. Johann in Tirol geboren und erhielt einen ersten Klarinettenunterricht an der Musikschule Kössen in Tirol. Nach der Matura am Musikgymnasium Innsbruck studierte er am Tiroler Landeskonservatorium bei Maximilian Bauer, Konzertfach (MA-Abschluss) an der Universität Mozarteum Salzburg bei Alois Brandhofer sowie im Postgradualen Lehrgang an der Kunstuniversität Graz bei Gerald Pachinger. Weitere Kurse absolvierte er bei Sabine Meyer, Reiner Wehle, Wenzel Fuchs und Alexander Neubauer. Von 2006 bis 2010 war er Lehrer für Klarinette an der Musikschule Telfs. 2010 wirkte er als Soloklarinettist im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, seit Februar 2011 ist er Soloklarinettist im Orchester der Wiener Volksoper. Auftritte absolvierte er u. a. mit dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Kärntner Sinfonieorchester, dem Wiener Kammerorchester, dem Orchester der Tiroler Festspiele Erl und dem Tiroler Ensemble für Neue Musik. Solistische Auftritte gab er unter anderem mit dem Kammerorchester Innstrumenti, dem Städtischen Orchester Schwaz und der Wiener Tonkunstvereinigung. Als Kammermusiker ist er unter anderem im Trio Raritae, im Ensemble „working clarinets“ und in weiteren Besetzungen aktiv.

© Viktor Novikov
Elisabeth Adam, Klarinette
Geboren 1996 in Graz, erhielt Elisabeth Adam ihren ersten Klarinettenunterricht in der örtlichen Musikschule Heiligenkreuz am Waasen, danach am Johann-Josef-Fux-Konservatorium Graz bei Johann Könighofer. Nach der Matura am Musikgymnasium Graz begann sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Konzertfach und Instrumental-/Gesangspädagogik bei Ernst Ottensamer, Johann Hindler und Christoph Zimper zu studieren. Sie war Finalistin beim internationalen Franz Cibulka-Wettbewerb, erhielt das Anny-Felbermayer-Stipendium und absolvierte Meisterkurse bei Matthias Schorn, Sabine Meyer und Reiner Wehle.
Seit Herbst 2022 ist sie Klarinettistin im Orchester der Volksoper Wien, davor im Orchester der Bühne Baden. Weiters konzertierte sie u. a. mit dem Tonkünstlerorchester Niederösterreich, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Klangforum Wien und in der Oper Graz.
Elisabeth Adam ist für alle Genres der Musik aufgeschlossen, ist kammermusikalisch in verschiedenen Formationen aktiv und engagiert sich überdies in der Blasmusik (u. a. Landesjugendblasorchester) und in der Musikvermittlung.

© Privat
Daniela Damianova, Klavier
Daniela Damianova wurde in Sofia geboren und studierte Klavier, Kammermusik und Liedbegleitung an der Musikakademie „Pantscho Vladigeroff“ in ihrer Heimatstadt, weiters an der Sibelius Akademie Helsinki und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Sie ist Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe für Klavierspiel und Liedbegleitung, unter anderem beim Johannes Brahms-Wettbewerb in Pörtschach, beim Albert Roussel-Klavierwettbewerb und der Vienna International Piano Academy Competition. Intensive Konzerttätigkeit und Aufnahmen mit dem Konzertmeister des Thessaloniki Orchestra, Simos Papanas, führten sie bis nach Griechenland, Italien, Bulgarien, Deutschland, Spanien, Finnland und in die Slowakei. Seit 2006 ist Daniela Damianova als Korrepetitorin und Lehrerin für Klavier an der Gustav Mahler Privatuniversität Klagenfurt und seit 2009 an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien tätig.