Streichquartett-Soiree
zum 200. Todestag von Ludwig van Beethoven
13. März 2027 | 19:45
Cedag Quartett
Martin Yavryan, Violine
Kristiina Kostrokina, Violine
Ernst Theuerkauf, Viola
Peter Polzer Violoncello
Programm
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Streichquartett Nr. 11 in f-Moll, op. 95 „Serioso“
1. Allegro con brio
2. Allegretto ma non troppo
3. Allegro assai vivace ma serioso
4. Larghetto espressivo – Allegretto agitato – Allegro
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Streichquartett Nr. 1 in Es-Dur, op. 121
1. Adagio non troppo – Allegro non tardante
2. Canzonetta. Allegretto – Più mosso
3. Andante espressivo
4. Molto allegro e vivace
Ludwig van Beethoven
Streichquartett Nr. 13 in B-Dur, op. 130
1. Adagio, ma non troppo. Allegro
2. Presto
3. Andante con moto, ma non troppo
4. Alla danza tedesca. Allegro assai
5. Cavatina. Adagio molto espressivo
6. Finale. Allegro
"Durch ununterbrochenen Fleiss erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen."
Diese Worte notierte Graf Ferdinand Waldstein im Jahre 1792 ins Stammbuch des jungen Ludwig van Beethoven, als dieser aus seiner Heimatstadt Bonn zu einer Reise nach Wien aufbrach. Politische und persönliche Gründe führten dazu, dass aus dem geplanten Studienaufenthalt ein permanenter Umzug wurde: In Wien vervollkommnete Beethoven sein Handwerk bei Größen des damaligen Musiklebens wie Joseph Haydn, Hofkapellmeister Antonio Salieri und Domkapellmeister Johann Georg Albrechtsberger, zog rasch die Aufmerksamkeit und Unterstützung adliger Mäzene auf sich und prägte letztlich 35 Jahre lang als Pianist und Komponist das Leben in der Hauptstadt des Habsburgerreiches. Den Zeitgenossen war rasch bewusst, mit welchem Ehrgeiz der talentierte, selbstbewusste und eruptive Bonner von Anfang an über seine Vorgänger Mozart und Haydn hinausstrebte; Letzterer, selbst ein europaweit gefeierter Komponist, mahnte schon anlässlich der ersten in Wien gedruckten Werke Beethovens, der drei Klaviertrios Opus 1 von 1795, dass sie das Publikum überfordern könnten – eine Skepsis, die Beethoven auch mit späteren Werken regelmäßig neu entfachte. Letztlich wuchs mit dem Komponisten aber auch sein Publikum: Bereits bei seinem Tod am 26. März 1827 galt der "Titan", als welchen ihn die Nachwelt in Anlehnung an Jean Pauls gleichnamigen Roman verklärte, als überragender Komponist seiner Zeit, das weitere 19. Jahrhundert erhob ihn dann endgültig zum Vollender der Wiener Klassik und zum Wegbereiter der Romantik in der Musik. Heute gelten insbesondere seine Sinfonien, Solokonzerte, Streichquartette und Klaviersonaten als Höhepunkte dieser Gattungen, mit denen er immensen Einfluss auf die Geschichte der Musik ausgeübt hat.
So steht die Soiree des Cedag Quartetts ganz im Zeichen des 200. Todestags Beethovens und widmet sich einer der zentralen Gattungen seines Schaffens: dem Streichquartett, für welches Beethoven in der Nachfolge Haydns und Mozarts letztlich 16 Beiträge komponiert hat, die heute allesamt zu den Grundpfeilern der Kammermusik zählen. Zwei dieser Werke bilden den Rahmen des Programms.
Am Beginn steht mit dem Quartett Nr. 11 in f-Moll op. 95 von 1810/11 mit dem Beinamen "serioso" gleich eine der eigenwilligsten Schöpfungen Beethovens. Der Beiname wurde aus dem dritten Satz abgeleitet: "Allegro assai vivace, ma serioso", zu deutsch etwa "Heiter und sehr lebhaft, aber ernst", eine Charakterisierung, die schon äußerlich darauf hinweist, wie wenig dieser Satz mit Ausnahme des 3/4-Takts noch mit dem traditionellen Menuett bei Haydn und Mozart gemein hat. Das Quartett ist ungemein dicht, komprimiert die typischen vier Sätze in nicht ganz 20 Minuten und diente dem Komponisten offensichtlich als handwerkliche Spielwiese: Grimmige Themen und Harmonien, vielseitige Satztechniken und überraschende Wendungen – darunter der kaum vorhersehbare Schluss in Dur – machen Opus 95 zu einer der spannendsten Quartettkompositionen Beethovens, die bereits viele Techniken vorwegnimmt, die seine späteren Werke kennzeichnen sollten. Beethoven selbst ahnte wohl bereits, dass der damalige Publikumsgeschmack mit der Musik des "Serioso"-Quartetts nicht ganz Schritt halten konnte, wie er einem Bekannten in einem Brief offenbarte: "Es ist für einen kleinen Kreis von Connaisseurs geschrieben und nicht für Aufführungen in der Öffentlichkeit bestimmt."
Am Ende des Programms steht mit dem Quartett in B-Dur op. 130 eines der bekannten späten Streichquartette Beethovens. Diese zählen zu seinen persönlichsten und expressivsten Werken und zeichnen sich durch eine besondere künstlerische Freiheit aus. So fällt schon rein äußerlich der Aufbau aus sechs (statt der traditionellen vier) Sätzen auf; statt eines langsamen Satzes komponierte Beethoven neben dem "ein wenig scherzend" ("poco scherzoso") vorzutragenden Andante auch noch eine zauberhafte Cavatina als 5. Satz, und statt eines Menuetts umfasst das Werk sowohl ein kurzes, stürmisches Presto als auch einen reizenden Satz "im Stil eines deutschen Tanzes" ("alla danza tedesca"). Das Quartett beschloss Beethoven – sozusagen im zweiten Anlauf – mit einem beschwingten, teils rustikalen Kehraus: Der Satz entstand erst Monate nach der Uraufführung, nachdem das ursprüngliche Finale sowohl die Musiker als auch das Publikum an ihre Belastungsgrenzen gebracht hatte und somit als durchgefallen galt. Beethoven fügte sich der einhelligen Kritik, komponierte einen neuen Schlusssatz und veröffentlichte das ursprüngliche Finale später als "Große Fuge" Opus 133.
Diese beiden Quartette rahmen das Werk eines jüngeren Berufskollegen ein, der mit der Musik Beethovens bereits ganz selbstverständlich aufgewachsen war: Das Quartett in Es-Dur op. 12 des gerade einmal 19-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy ist merklich durch Beethovens späte Quartette beeinflusst; bereits die langsame Einleitung des ersten Satzes erinnert an den entsprechenden Beginn von Beethovens Opus 130. Ebenfalls durch Beethoven dürfte Mendelssohns Entscheidung angeregt worden sein, auf ein klassisches Menuett oder Scherzo zu verzichten: Stattdessen bilden mit der "Canzonetta" und dem "Andante espressivo" zwei langsame Sätze den zauberhaften Kern dieses Quartetts. Ein stürmisches, überraschend in Moll einsetzendes Finale bildet den Schluss dieses frühen Meisterwurfs.
Cedag Quartett
© Cedag Quartett
Das Cedag Quartett wurde im Jahr 2003 in Innsbruck und konzertiert seitdem regelmäßig in Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz im Rahmen verschiedener Konzertzyklen wie beispielsweise „contrapunkt“ St. Gallen, ORF-Kulturhaus Landesstudio Tirol, Österreichisches Kulturforum Rom, Haus der Musik Innsbruck. Der Repertoirebogen spannt sich von den frühen Anfängen der Streichquartettliteratur über die Romantik und klassische Moderne bis hin zur zeitgenössischen Musik.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit namhaften Komponisten wie Erich Urbanner, Sebastian Themessl, Manuela Kerer, Martin Lichtfuss, Paul Giger, Norbert Zehm, Hubert Stuppner, Peter Suitner und anderen kann das Cedag Quartett auf zahlreiche Uraufführungen und Rundfunkmitschnitte verweisen. Außerdem ist das Ensemble Widmungsträger diverser zeitgenössischer Werke.
© Simon Rainer
Martin Yavryan, Violine
Martin Yavryan wurde in Jerewan (Armenien) geboren. Seinen ersten Geigenunterricht erhielt er mit sieben Jahren, später studierte er an den Musikuniversitäten in Jerewan, Freiburg und Trossingen bei Artasches Mkrtchyan, Rainer Kussmaul und Christian Ostertag. Außerdem besuchte er Meisterkurse unter anderem bei Maria Egelhof, Tibor Varga, Zachar Bron und Kolja Blacher.
Seit 1994 steht Martin Yavryan mit verschiedenen Orchestern als Solist auf der Bühne, darunter das Philharmonische Orchester Armenien, das Philharmonische Orchester Rheinland-Pfalz, Baden-Badener Philharmonie, SWD Kammerorchester Pforzheim, das Philharmonische Orchester des Staates Baschkortostan (Russland) sowie das Sinfonieorchester Pohang (Südkorea). Vom 2000 bis 2001 spielte Martin Yavryan im „Kchachaturian“ Streichquartett, 2005 gründete er das „Arev“ Streichquartett, mit dem er im Radio Swiss Romande und dem Bayerischen Rundfunk gespielt hat.
Während seiner musikalischen Laufbahn gewann er zahlreiche Preise, darunter einen ersten Preis beim internationalen Khachaturian Violinwettbewerb und den dritten Preis beim 1. internationalen Violinwettbewerb Freiburg, sowie auch Preise bei den Yfrah-Neaman-, Kloster-Schöntal- und Ludwig-Spohr-Wettbewerben. 2006 wurde ihm der Preis des armenischen Staatspräsidenten im Fach Instrumentale Musik überreicht. Von 2007 bis 2010 war er Stipendiat der Friedrich-Ebert Stiftung.
Seit 2010 ist er im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck als Konzertmeister tätig.
© Emanuel Kaser
Kristiina Kostrokina, Violine
Die gebürtige Estin absolvierte ihr Studium in ihrer Heimatstadt Tallinn sowie in Weimar bei Mare Teearu und Andreas Lehmann. Später besuchte sie Meisterkurse unter anderem bei Rudolf Koelman, Mihaela Martin, Anatoli Reznikovski und Alexander Fischer. Sie ist Preisträgerin verschiedener Violin- und Kammermusikwettbewerbe und konzertierte als Solistin und Kammermusikerin in Estland, Finnland, Weißrussland, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Außerdem war sie mehrfache Stipendiatin der Sommerakademie „The International Holland Music Sessions“.
Als jahrelanges Mitglied des Estnischen Jugendorchesters sowie im World Youth Chamber Orchestra sammelte sie wertvolle Erfahrungen, bevor sie an der National Oper Estlands ihre erste Festanstellung erhielt. Sie spielte unter anderem auch im Estnischen National Sinfonieorchester, im Kammerorchester Tallinn, im Thüringischen Kammerorchester, im Mitteldeutschen Kammerorchester, im Orchester Franz’L sowie im Estonian Festival Orchestra. Seit 2012 ist sie festes Mitglied des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck.
© Simon Rainer
Ernst Theuerkauf, Viola
Ernst Theuerkauf erhielt seinen ersten Violin- und Viola-Unterricht in der Musikschule seines Geburtsortes Aschbach (NÖ), später absolvierte er sein IGP- und Konzertfachstudium am Tiroler Landeskonservatorium bei Vladislav Markovic. Weitere Studien führten ihn nach München und Salzburg zu Fritz Ruf und Thomas Riebl. Er spielte im Gustav Mahler Jugendorchester, im Mozarteum Orchester Salzburg und im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Franz Welser-Möst, Sir Neville Marriner und Fabio Luisi. Im Rahmen seiner solistischen und kammermusikalischen Tätigkeit arbeitete er mit zeitgenössischen Komponisten wie Erich Urbanner, Boguslaw Schaeffer und Sebastian Themessl.
Er konzertierte in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Italien, Kroatien, der Schweiz, den USA und in China. Außerdem beschäftigt er sich mit historischer Aufführungspraxis und ist Mitbegründer und Mitglied der Jakob Stainer Akademie. Er unterrichtet Violine und Viola an der Musikschule Telfs, leitet das Orchester Concertino Telfs und ist Mitglied im Tiroler Ensemble für Neue Musik (TENM).
© Simon Rainer
Peter Polzer, Violoncello
Peter Polzer wurde in Graz geboren und erhielt seinen ersten Violoncello-Unterricht im Alter von sechs Jahren. Sein Studium absolvierte er an den Musikuniversitäten in Graz und Wien bei Kerstin Feltz und Wolfgang Herzer. 1997 schloss er sein Konzertfachstudium mit Auszeichnung ab und erhielt den Würdigungspreis des Bildungsministeriums, ehe sich Meisterkurse unter anderem bei A. Noras, P. Muller, I. Monighetti und M. Pressler anschlossen.
Er war Mitglied und Stipendiat im Gustav-Mahler-Jugendorchester und spielte im Mozarteum Orchester Salzburg, im Grazer Philharmonischen und Grazer Symphonischen Orchester unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Bernard Haitink, Sir Neville Marriner und Fabio Luisi. Als Solist trat er mit dem Russischen Philharmonischen Staatsorchester Moskau, dem Tiroler Kammerorchester „InnStrumenti“, dem Orchester der Grazer Musikuniversität, dem Universitätsorchester Innsbruck und anderen auf. Seit Herbst 2000 ist er Mitglied des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, seit 2014 im Lech Festival Orchester.
In seiner Tätigkeit als Kammermusiker konzertierte er im Rahmen verschiedener Konzertzyklen in Österreich, Deutschland, Italien, Schottland, Israel und der Schweiz. Er ist Gründungsmitglied im Cedag Quartett, außerdem Gründungsmitglied von „Cemplified“ und Mitglied im Tiroler Ensemble für Neue Musik (TENM), mit dem er zahlreiche Werke uraufführte.